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Die Türkei
Im Nachfolgenden haben wir einen Überblick
über die wichtigsten Faktoren, Zahlen, Bedingungen
und Kriterien erstellt, die in umittelbarem Zusammenhang
mit der aktuellen Diskussion über die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen seitens der EU mit
der Türkei angeführt, argumentiert oder begründet
werden.
Zusammenfassend gelangen wir zu der Schlußfolgerung,
daß die Türkei weder geografisch oder historisch
noch politisch oder ethnologisch zu Europa gehört.
Weiters stellt eine Integration der Türkei in die EU
für diese ein nicht schaffbare wirtschaftliche
und politische Belastung dar, welche die Grundidee und bisherige
Form der EU zu Fall bringen würde.
Die Türkei - Fakten die klar gegen eine Aufnahme
sprechen
1. Zwei verschiedene Welten: Kultur und Religion
2. Die Türkei ist islamisch geprägt
und islamistisch regiert
3. Ankara missachtet bewußt die Menschenrechte
4. Drohende Völkerwanderung durch einen
Beitritt
5. Die EU würde politisch und wirtschaftlich
zerstört werden
6. Die inkompatible Wirtschaft der Türkei:
7. Die EU ist kein Institut für Entwicklungshilfe
8. Das Integrations-Argument verpufft
9. Üble Nachbarschaften, drohende Konflikte
10. Es gibt kein Beitrittsversprechen, erster
Antrag 1987
11. Fazit
12. Aktuelle Aussagen namhafter Wissenschafter,
Politiker, Medien zum Thema
1. Zwei verschiedene Welten: Kultur und Religion
Die Türkei ist kein europäisches Land
Die weit überwiegende Mehrheit der türkischen
Staatsbürger wohnt im asiatischen Großteil der
Republik Türkei. Auch die deutliche Mehrheit der im
- geografisch gesehen - europäischen Teil (ca 3% der
Landesfläche) des Landes lebenden stammt aus dem asiatischen
Raum: Istanbul ist durch Zuwanderung von Anatoliern von
einer 1,3 Mio-Stadt (1961) zur jetzt 13 Millionen Einwohner
zählenden Megacity angewachsen.
Die Türken stammen ursprünglich aus Zentralasien,
bekanntlich werden die ehemaligen zentralasiatischen Republiken
der Sowjetunion von Turkvölkern bewohnt, ethnischen
Verwandten der Türken in der Türkei.
Vom Balkan bis hin zur nordwestchinesischen Provinz Xinjiang,
die von den Türken "Ostturkestan" genannt
wird, gibt es einen Bereich, der neben sprachlichen und
kulturellen Bindungen vor allem durch den Islam geeint wird.
Dieser Teil der Welt umfaßt ca. 150 Millionen Menschen,
die laut Unesco die fünftverbreitetste Sprache der
Welt (türkisch) sprechen.
2. Die Türkei ist islamisch geprägt und
islamistisch regiert
Die drohende Islamisierung:
Die Europäische Union ist eine säkulare Gemeinschaft,
in der Staat und Kirche, Politik und Religion getrennt sind.
Selbstverständlich genießen Muslime als EU-Bürger
dieselben Rechte wie Christen. Die Frage ist nur, ob diese
säkulare Kultur, der die christliche Lehre der zwei
Reiche zugrunde liegt, von den Neubürgern akzeptiert
wird. Einerseits ist ihnen als Türken die kemalistische
Ordnung vertraut, in der der Staat über der Religion
steht und diese streng kontrolliert. Andererseits können
sie als Muslime, für die das gesamte Leben vom Koran
geregelt wird, dem nicht zustimmen.
Seit mehreren Jahrzehnten blühen sowohl der Islamismus
als auch der orthodoxe Islam als Widerstand gegen die von
Kemal Atatürk von oben verordnete Säkularisierung.
Eine schleichende Re-Islamisierung der Gesellschaft und
des öffentlichen Lebens ist zu beobachten. Wie in allen
islamischen Staaten gibt es Bestrebungen, die bestehende
Ordnung durch das Modell eines Gottesstaates zu ersetzen.
Die islamistisch regierte Türkei würde diesen
Idealen nach einem EU-Beitritt als dann einflußreichstes
Mitglied der EU ein starkes Gewicht verleihen.
Gefahr durch Reformen:
Der Europa-Experte Werner Weidenfeld warnt indes vor den
Konsequenzen der "radikalen Modernisierung", die
der EU-Beitritt für die türkische Gesellschaft
bedeuten würde. Im Iran habe ein ähnlicher Prozess
zur Islamisierung geführt. "Die verschärfte
Form der Islamisierung ist eine Art Kompensation des Entwurzeltwerdens,
das
man bei einer Modernisierung erfährt", sagt Werner
Weidenfeld.
Der bayerische Innenminister Günther Beckstein: "der
Stellenwert des Islam in Europa wird sich vergrößern."
Studie des Zentrums für Türkeistudien: schon heute
schotten sich Türken in Deutschland ab und halten ihre
muslimische Identität für immer wichtiger. Hier
zeichnen sich kulturelle Konflikte ab.
3. Ankara missachtet bewußt die Menschenrechte
geleugneter Genozid:
Bis heute leugnen die Regierung, das Parlament und viele
türkische Historiker den Völkermord an den Armeniern
in den Jahren 1895/96 und 1914/15 mit damals ca 1,5 Millionen
Toten.
In der Türkei wird u.a. die Anerkennung des Armeniermordes
mit Gefängnis bis zu 15 Jahren bedroht (§ 306).
Atatürk selbst ordnete in der Zeit zwischen 1925 und
1938 die Massaker an den Kurden an und setzte damit eine
ethnische Herrschaftsideologie fort, die in vorislamischer
Zeit wurzelt und durch den Islam verstärkt wurde. (Dr.
Hans-Peter Raddatz, Islamwissenschaftler und Buchautor)
Folter:
Die türkische Menschenrechtsorganisation Human Rights
Foundation: selbst nach Amtsantritt Erdogans wird in der
Türkei flächendeckend gefoltert. Allein bis August
2004 seien 600 Folterfälle dokumentiert.
Politische Gefangene:
Es sitzen etwa 1400 Personen aus politischen Gründen
im Gefängnis. Folter auf Polizeiwachen ist nach Berichten
von Menschenrechtsorganisationen weit verbreitet. So genannte
Ehrverbrechen gegen Frauen, die außerehelicher Beziehungen
beschuldigt wurden, werden vielerorts nicht verfolgt.
Warum massenhaft Asylbewerber aus einem sicheren Land?
Der Vorsitzende des Europaausschusses, Matthias Wissman:
"Seit Jahren gehört die Türkei zur Spitzengruppe
der Herkunftsländer von Asylbewerbern, im vergangenen
Jahr stammten mehr als 6300 Asylbewerber aus der Türkei.
Die hohe Zahl anerkannter Asylverfahren in Deutschland zeigt,
dass die reale Lage in der Türkei nicht den EU-Kriterien
entspricht."
Es gibt in der Türkei weder eine freie Presse noch
das uneingeschränkte Recht auf freie Meinungsäußerung,
wie sie für Europäer selbstverständlich ist.
Diskriminierung von Andersgläubigen und Aleviten:
Andersgläubige werden in der Türkei diskriminiert.
Der christliche Bevölkerungsanteil von ehemals 25%
ist bis heute auf 0,3% geschrumpft. Christen werden elemantare
Grundrechte verweigert (z.b. beim Hochschulzugang), die
Gemeinden können weder Konten führen, Kirchen
errichten noch Land erwerben.
Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte
(IGFM) 2004: Die dauerhafte Weigerung, religiösen Minderheiten
gleiche Rechte zu garantieren (...) lassen befürchten,
dass die mutige Entwicklung nach dem Beschluss über
den Beginn von Beitrittsverhandlungen enden und die Umsetzung
angekündigter Rechte verschleppt oder rückgängig
gemacht werden könnte.
Die Bevölkerungsminderheit der Aleviten (etwa 15%)
wird ebenfalls unterdrückt. Aleviten leben einen liberalen
und toleranten Islam, u.a. erkennen sie die Gleichberechtigung
von Mann und Frau an.
Der vergessene Krieg in Kurdistan:
Während des 15-jährigen Krieges um die Anerkennung
der Rechte des kurdischen Volkes in Südostanatolien
wurden zwischen 1,5 Millionen und drei Millionen Kurden
vertrieben, rund 3000 Dörfer zerstört, Felder
und Weiden vermint, Wälder niedergebrannt. Kein anderes
Menschenrechtsproblem in der Türkei betrifft nach Einschätzung
der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW)
so viele türkische Bürger.
Fehlende Gleichberechtigung, Übergriffe auf Frauen:
In den ländlichen Gebieten der Türkei kann jede
dritte Frau nicht lesen. Jede zweite Ehe im Südosten
wird ohne Einwilligung des Mädchens arrangiert. Jede
zehnte Braut dort wird in eine Vielehe hinein verheiratet.
Die Erwerbsquote bei Frauen ist von 1955 bis 1999 von 72
Prozent auf 28 Prozent gesunken. Das alles steht in einer
neuen Studie der Universität Istanbul.
Die islamisch geprägten Gesellschaften messen der Frau
traditionell eine untergeordnete Rolle zu. Diese Einstufung
steht in völligem Einklang mit der Lehre des Islam.
Die Türkei macht hier keine Ausnahme: Zwangsheirat,
Vergewaltigung in der Ehe, Ehrenmord - diese und andere
Übergriffe gegen Frauen sind in der Türkei an
der Tagesordnung. Dies übrigens nicht nur im armen
Ostanatolien sondern vor allem auch in Istanbul.
Dass sich dieses türkische bzw. moslemische Problem
durch eine Annäherung an die EU nicht lösen lassen
wird verdeutlicht eine Zahl aus Deutschland: 40% der unter
Türken geschlossenen Heiraten sind Zwangsheiraten.
4. Drohende Völkerwanderung
1927 besaß die Türkei lediglich knapp 14 Millionen
Einwohner. Heute sind es etwa 70 Millionen Einwohner.
Laut UNO-Schätzung wird sich die türkische Bevölkerung
in den nächsten 25 Jahren angesichts des enormen Geburtenüberschusses
auf 87 Millionen erhöhen und bis zum Jahre 2050 auf
etwa 100 Millionen.
Es gibt in der Türkei ein enormes Potenzial an unqualifizierten
Migranten, die in den türkischen Ballungszentren, aber
auch in anderen europäischen Ländern eine wirtschaftliche
Perspektive suchen werden. Dabei haben diese Menschen mit
islamisch-konservativem Hintergrund in ihrer Mehrzahl keine
Bildung genossen, die sie für Tätigkeiten in einer
entwickelten Industriegesellschaft qualifiziert.
Schon heute heiraten ca. 60% der jungen Türken aus
Deutschland Frauen und Männer aus der Türkei,
die dann in die BRD einwandern. Diese Zuwanderung stellt
hohe Anforderungen an unsere Gesellschaften und ihre sozialen
Sicherungssysteme. Längerfristig kann dies zu schwer
wiegenden sozialen Unruhen führen.
Heute leben etwa 3,3 Millionen Moslems in Deutschland, 2,5
Millionen davon sind Türken.
Das Osteuropa-Institut München: bis zu 4,4 Millionen
Türken werden aus wirtschaftlichen Gründen nach
einem Beitritt in andere EU-Staaten umziehen. Angesichts
der gewaltigen Einkommensunterschiede und der vorhandenen
Netzwerke ist das Migrationspotential der Türkei insbesondere
für Deutschland als beträchtlich einzuschätzen.
5. Die Union wird politisch und wirtschaftlich zerstört
Regierungschef von Luxemburg, Jean-Claude Juncker: "Irgendwie
müssen Europa und die Türkei die Spirale von Versprechen,
Zusagen und Hoffnungen sprengen, um nicht die EU als Ganzes
zu gefährden."
Tatsächlich ist die EU in der Türkei-Frage das
Opfer eigener Verlogenheit. Und sie hält jetzt noch
an. Jahrelang baute man in Berlin, Paris oder Brüssel
darauf, die Türkei werde nie auch nur annähernd
EU-tauglich werden. Darum brauchte auch keine öffentliche
Diskussion geführt werden.
Haben die Verhandlungen erst einmal begonnen, ist die Türkei
schneller in der EU, als es die Regierungen der Öffentlichkeit
weismachen wollen. Solange aber offen bleibt, worin der
Mehrwert der Türkei-Mitgliedschaft für die EU
liegt, kann mit Ankara nicht über den Beitritt verhandelt
werden.
Will man den Unionscharakter bewahren und vertiefen, ist
ein europäisches Wir-Gefühl vonnöten.
Markus Söder, Generalsekretär der CSU: "Mit
der Türkei würde die Perspektive der politischen
Union Europas außer Kraft gesetzt und das in fünf
Jahrzehnten gewachsene Einigungswerk Europas in Frage gestellt
werden. Das kann auch nicht im Interesse der Türkei
sein."
Helumt Schmidt, Bundeskanzler a. D.: "Ein Scheitern
der EU oder eine Schrumpfung zu einer bloßen Freihandelszone
ist nicht mehr undenkbar. Ein baldiger Beitritt der armen
Balkanstaaten oder der Türkei würde die finanzielle
Leistungsfähigkeit der EU und ihren Zusammenhalt ernsthaft
gefährden."
Osteuropa Institut München, 2004: die Türkei würde
als größter Staat innerhalb der europäischen
Institutionen den gleichen Rang wie Frankreich, Deutschland
und Großbritannien erhalten. Zum ersten Mal in der
Geschichte der EU erhielte das ärmste Land eine politisch
dominierende Rolle.
Politiker, die am Funktionieren der politischen Union nicht
interessiert sind, machen sich für die Türken
stark. Je größer die EU, desto weniger geeint.
Daher sind die Briten (wie die USA) dafür.
Brüssels Handelskommissar Pascal Lamy vor der Empfehlung
der EU-Kommission: „Wenn wir jetzt den Beginn von
Beitrittsverhandlungen mit der Türkei empfehlen, dann
heißt das, dass wir die Europäische Union, so
wie sie ist, abschaffen.“
6. Die inkompatible Wirtschaft der Türkei:
In finanzieller, politischer und sozialer Hinsicht ist die
Türkei ein Fass ohne Boden. Experten verschiedener
unabhängiger Institute haben errechnet, dass der Beitritt
der Türkei weitaus teurer wäre als die Aufnahme
aller zehn neuen Länder am 1. Mai 2004.
Die Experten des Osteuropa-Institut München listen
an Mängeln auf:
· hohe Staatsverschuldung (nach einer aktuellen Statistik
ist sie der größte Einzelschuldner des Internationalen
Währungsfonds)
· Volatilität (starke Schwankungen) des Wachstums
· großes Stadt-Land-Gefälle, höchster
Urbanisierungsgrad Europas (35%)
· zentralisierte Staatsbürokratie
· politische Einflussnahme auf Kreditvergabe
· Korruption
· geringe ausländische Direktinvestitionen
· hohe Inflationsrate, die Einführung des Euro
unmöglich
· ca. ein Drittel der Beschäftigten arbeiten
in der Landwirtschaft
Des weiteren ist die türkische Exportwirtschaft zu
40 Prozent auf Textilwaren ausgerichtet statt auf zukunftsträchtige
Produkte.
Aus heutiger Sicht würde die Türkei dem Wettbewerbsdruck
im gemeinsamen Binnenmarkt in keiner Weise standhalten können.
Kostenberechnungen für die Europäische Gemeinschaft:
"Friends of Europe":
Sollte die Türkei im Jahr 2015 beitreten, hätte
sie in den ersten drei Jahren Anspruch auf rund 45 Milliarden
Euro aus der Brüsseler Kasse. Das ist mehr, als die
jetzige Osterweiterung um zehn Mitgliedsstaaten kostet (knapp
40 Milliarden Euro zwischen 2004 und 2006).
Noch deutlich höher liegen die Schätzungen
der EU:
Oktober 2004, erste offizielle Kosten-Schätzung einer
Studie von EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen:
Unterstellt man die Aufnahme im Jahr 2015 hätte die
Türkei im Jahr 2025 Anspruch auf Zahlungen von 22,1
bis 33,5 Milliarden Euro jährlich. (Quelle)
Die Bundesregierung rechnet mit Verdoppelung des deutschen
EU-Beitrags:
Brutto wird die Bundesrepublik in diesem Jahr (2004) etwa
22 Milliarden Euro nach Brüssel überweisen. Die
Bundesregierung schätzt, dass sich dieser Bruttobeitrag
bis 2013 etwa verdoppeln könnte. (Quelle: SPIEGEL ONLINE
- 22. Oktober 2004)
Osteuropa Institut München, 2004: Nach ihrem Beitritt
würde die Türkei als größter Staat
innerhalb der europäischen Institutionen den gleichen
Rang wie Frankreich, Deutschland und Großbritannien
erhalten, während ihr Anteil an der Wirtschaftskraft
nur ca. 3% der erweiterten Union (EU-28) betrüge (Deutschland
2013 ca. 18%).
7. Die EU ist kein Institut für Entwicklungshilfe
Die Entwicklung in der Türkei ist eine innertürkische
Angelegenheit, die Türkei hat ein eigenes Interesse
an Demokratie und Modernisierung. Viele Anhänger eines
Beitritts (und die Türkei selbst) sehen das anders.
Sie instrumentalisieren die EU, um eine bestimmte politische
Linie im Land durchzusetzen. Die Türkei muss ein Eigeninteresse
an Reformen und der Modernisierung haben und ihre politischen
Herausforderungen selbst lösen.
Markus Söder, Generalsekretär der CSU: "Die
Behauptung, der Beitritt sei notwendig zur inneren Stabilisierung
der Türkei, verkehrt Voraussetzung und Wirkung. Es
gilt der umgekehrte Zusammenhang: Die Stabilität ist
Voraussetzung für einen Beitritt. Der Beitritt kann
nicht Mittel zur Stabilisierung eines Landes sein."
8. Das Integrations-Argument verpufft
Die Beitritts-Befürworter argumentieren sinngemäß:
Um den Konflikt der Kulturen im Kampf gegen den Terrorismus
zu entkrampfen, müsse das EU-Mitglied Türkei das
Modell eines verwestlichten, wohlhabenden islamischen Staates
auf die moslemisch-arabische Welt ausstrahlen.
Die Türkei hat aber - auch aus historischen Gründen
- keinerlei Einfluss auf arabische, islamische Länder.
Gerade im arabischen Raum ist die Türkei dank 500-jähriger
osmanischer Herrschaft als Kolonialmacht stigmatisiert,
geradezu verhasst. Die Mitgliedschaft in der Nato, die Nähe
zu den USA und Israel diskreditieren Ankara in dieser Region.
Zudem ist für strategische Fragen nicht die EU sondern
vor allem die Nato zuständig. Ihr gehören die
Türken seit 1949 an, die Türkei erfüllt seit
Jahrzehnten verlässlich ihre strategische Rolle.
9. Üble Nachbarschaften, drohende Konflikte
Wäre Ankara Mitglied in der EU, stießen Europas
Grenzen an die zentralen Konfliktregionen der Erde. Plötzlich
wären die Europäer Nachbarn höchst zweifelhafter
Regime mit der Neigung zu unberechenbaren Drohgebärden
und sehr hohen Potenzialen an islamischen Extremisten. Viele
Tausend Grenzkilometer müssten streng bewacht werden,
um all die Menschen abzuhalten, die aus Asien, der Arabischen
Halbinsel, vielleicht sogar aus Afrika über die Türkei
nach Europa wollen.
Geostrategische Betrachtung der Türkei:
Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D.: "Die Türkei
hat gemeinsame Grenzen mit Syrien, dem Irak, Iran und Armenien;
sie liegt seit Jahrhunderten im Streit mit Griechenland,
keineswegs allein über Zypern. Nahezu zwangsläufig
ist die Türkei indirekt an jedem künftigen Krieg
im Mittleren Osten beteiligt, sie hat in dieser Region wichtige
eigene Sicherheitsinteressen.
Die jahrhundertealte Animosität zwischen Türken
und Russen kann wieder aufleben, nachdem viele Völker
in Zentralasien ihre Unabhängigkeit zurück gewonnen
haben. Auch wegen des zentralasiatischen Öls und der
Rohrleitungen wird es Interessenkonflikte mit Russland geben,
das den Verlust der fünf zentralasiatischen Republiken
noch lange nicht verschmerzt hat.
In den Augen der heutigen amerikanischen Politiker bleibt
die Türkei ein wichtiger Pfeiler ihrer Strategie der
Dominanz im Mittleren Osten, gegenüber Russland und
gegenüber der EU - weswegen Washington nachdrücklich
die Aufnahme der Türkei in die EU betreibt."
Warum die USA den Beitritt unterstützen:
Die Türkei ist ein enorm wichtiger Bündnispartner
der Nato und sichert die Süd-Ost-Flanke ihres Einflussgebietes.
Die USA würden einen großen Teil der laufenden
hohen Kosten und militärischen Aufwendungen gerne den
Europäern aufbürden ohne an Einfluss zu verlieren.
Weltpolitisch gesehen wird ein stabiles Europa mehr und
mehr eine Machtkonzentration ausbilden, wird u.U. wirtschaftlich,
politisch und militärisch den USA ein echter Konkurrent.
Die USA wissen: die Aufnahme der Türkei in die EU würde
mittelfristig ihr Ende bedeuten - wirtschaftlich bankrott,
politisch nicht zu einen und nicht zuletzt kulturell und
gesellschaftlich geschwächt durch die rasche Ausbreitung
des Islam überall in Europa.
10. Es gibt kein Beitrittsversprechen, erster Antrag
1987
In der Diskussion um einen EU-Beitritt der Türkei wird
immer wieder darauf hingewiesen, dass die Türkei seit
mehr als 40 Jahren hingehalten werde. Diese Behauptung ist
falsch.
Der europäische Klub der sechs eröffnete in Artikel
28 des Assoziierungsvertrages von 1964 Ankara die prinzipielle
Möglichkeit eines Beitritts zur Europäische Wirtschaftsgemeinschaft.
Ein Beitritt zu einer politischen Union stand nie zur Diskussion,
denn diese existierte zu dieser Zeit noch überhaupt
nicht.
Einen Antrag zu einem Beitritt zur heutigen EU stellt die
Türkei erstmals 1987, dieser wurde 1989 abgelehnt.
Die Europäer werden nicht wortbrüchig, wenn sie
die Türkei nicht als Vollmitglied in die EU integrieren.
11. Fazit
Setzt Ankara seinen Reformkurs fort, wird es auch ohne Vollmitgliedschaft
- assoziiertes Mitglied der EU ist es bereits - eine moderne
Demokratie werden. Strategisch geschützt würde
sie im Rahmen der Nato. Weder sicherheitspolitisch, finanziell,
wirtschaftlich oder kulturell verbindet sich mit einem EU-Beitritt
der Türkei ein Mehrwert für Europa, mit dem sich
die angeführten Nachteile und Gefahren rechtfertigen
liessen.
12. Aktuelle Aussagen namhafter Wissenschafter,
Politischer Organisationen und Medien zum Thema
Die
Welt, 15.10.2004: 700 Jahre Einfluß der Türkei
auf Europa - Word.doc
Helmut
Schmidt: Ein Beitritt der Türkei würde die EU
völlig überfordern - word.doc
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